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Fotografie

Gibt es etwas Schöneres als ein tolles Bild unserer kleinen Chrabbler auf dem Bildschirm zu betrachten oder ein Hochglanzposter neben dem Garnelenbecken?

Die Aquaristik- und insbesondere die Makrofotografie sind allerdings gar nicht so einfach und wer sich darin schon einmal versucht hat, wird feststellen, dass der Unterschied zwischen den eigenen Resultaten und einer professionellen Fotografie oft beträchtlich ist. Der Weg zum optimalen Bild ist weit und es sind diverse Herausforderungen zu meistern wie z.B. das Fotografieren durch die Aquarienscheibe, der Umgang mit sich ständig bewegenden Tieren, eingeschränkte Lichtverhältnisse, etc.

Ist das Grundwissen über die richtige Ausrüstung, den geeigneten Setup und die passenden Kamera-Einstellungen aber einmal vorhanden, sind erste Erfolge in greifbarer Nähe. Gerne geben wir Euch hier einige unserer Erfahrungen weiter.

Ausrüstung – was ist das richtige Equipment?

Wir empfehlen für diese Spezialsparte der (Makro-)Fotografie eine digitale Spiegelreflexkamera sowie ein passendes Makroobjektiv. Selbstverständlich lassen sich auch mit Kompakt-, Brigde- oder sogar Handy-Kameras gute Makroaufnahmen machen. Sobald man aber den Anspruch hat, echte high-end Bilder zu schiessen, zeigen sich die Unterschiede und man kommt zum Schluss, dass Spiegelreflexsysteme in Sachen Flexibilität und Abbildungsleistung, leider aber auch in Bezug auf den Preis, die Nase eindeutig vorne haben.

Für unsere Aufnahmen verwenden wir mit dem EF 100mm f/2:8L ein Makroobjektiv von Canon. Eine Brennweite von 100mm hat sich für die Zwerggarnelenfotografie als ideal erwiesen. Zum einen erlaubt dieses einen maximalen Abbildungsmassstab von 1:1 bei einer minimalen Objektentfernung von 30cm. Zum anderen ist eine Festbrennweite gegenüber einem Zoom-Objektiv punkto Schärfe der Bilder im Vorteil. Zusammen mit der Canon Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark III ist das eine nicht ganz günstige, aber hervorragende und leistungsstarke Kombination, welche die technischen Voraussetzungen für knackscharfe, hochauflösende Bilder bietet.

Kameraeinstellungen – was sind die geeignetsten Einstellungen von Blende, Verschlusszeit, ISO, etc.?

Die Wahl der richtigen Einstellungen ist das A und O für gelungene Bilder. Sie ist abhängig vom verfügbaren Licht, aber auch dem Objekt, in unserem Fall der Garnelen. Die richtige Belichtung, d.h. Wahl von Blende und Verschlusszeit ist für das Gesamtresultat entscheidend und muss der Garnelenfarbe und der gesamten Kontrastsituation des Gesamtbildes (Garnele, Objekt, Hintergrund und Beleuchtung) angepasst werden. So wird sichergestellt, dass z.B. das Weiss einer Bienengarnele nicht überstrahlt wird oder eine sehr dunkle Garnele nicht kontrastlos abgebildet wird.

Die Blende regelt den Lichteinfall durch das Objektiv. Je kleiner die Blendenzahl (z.B. 2.8, 3.5, etc.), desto grösser die Blendenöffnung und desto mehr Licht fällt beim Auslösen auf den Sensor. Der Vorteil einer grossen Blendenöffnung ist, dass bei wenig verfügbarem Licht mit kurzen Verschlusszeiten noch genügend helle und verwackelungsfreie Bilder gemacht werden können. Dafür ist wenig Schärfentiefe vorhanden, welche für gelungene Garnelenbilder eine wichtige Rolle spielt. Als Richtwerte eignen sich Blendenwerte zwischen f8 – f13. Befindet sich die Garnelen exakt in der Bildebene, reicht oft die gegebene Schärfentiefe bei Blende 8. Sobald sich die Garnele aber etwas aus der Ebene bewegt, werden Teile unscharf und eine höhere Blende bringt bessere Resultate und ein stimmigeres Gesamtbild.

Die Verschlusszeit regelt die Länge der Belichtung. Für statische oder sich langsam bewegende Motive wie das bei fressenden Garnelen oft der Fall ist, sollte für verwackelungsfreie Bilder eine Verschlusszeit von 1/Brennweite, d.h. im Fall eines 100mm Objektives mindestens 1/100s oder kürzer verwendet werden. In der Praxis der Garnelenfotografie zeigt sich leider, dass mit dem verfügbaren Licht (auch bei hohen ISO-Werten) kaum derart kurze Verschlusszeiten möglich sind. Daher ist bei der Garnelen-Fotografie der Einsatz einer zusätzlichen Lichtquelle, idealerweise eines Blitzes, erforderlich. Autofokus. Hier ist die sogenannte Auslösepriorität, bei Canon die Einstellung „AI Servo“ zu empfehlen. Dadurch zieht die Kamera die Fokussierung ständig mit, auch wenn sich die Garnele bewegt und dadurch die Kamera mitbewegt wird. Ist der Autofokus langsam oder unpräzise, muss die Schärfe manuell oder über die Distanz eingestellt werden. Dem Weissabgleich messen wir weniger Bedeutung zu, da dieser von der Kamera treffsicher automatisch eingestellt wird oder in der digitalen Nachbearbeitung problemlos angepasst werden kann.

Licht – mit oder ohne Blitz?

Die Verwendung eines Blitzgeräts ist für gut ausgeleuchtete Garnelenbilder empfehlenswert, ja sogar zwingend. Bewegungsunschärfen und -artefakte der Kamera sind dadurch weitgehend ausgeschlossen, was die Bildqualität substantiell verbessert. Wir empfehlen die maximale Blitzsynchronisationszeit zu verwenden. Im Fall unserer Ausrüstung entspricht dies einer Verschluss- resp. Synchronisationszeit von 1/200s. Damit sind die genannten Blendenwerte von f8-f13 problemlos möglich und die erforderliche Schärfentiefe im Bild erreichbar. Aber wie verwendet man einen Blitz vor einer reflektierenden Aquarienscheibe? Die Verwendung eines frontalen Kamerablitzes ist nicht empfehlenswert, weil es dadurch zu Spiegelungen in der Aquarienscheibe und allenfalls sogar unerwünschtem Schattenwurf durch das Objektiv kommt. Wir verwenden daher einen externen, entfesselten Blitz von oben. Der von uns aktuell verwendete Blitz (Canon Speedlite EX 580 II) verfügt mit einer Leitzahl von 58 über ausreichend Leistung und ist mit einem Blitzsynchronisator mit der Kamera gekoppelt. Damit lässt sich die Blitzstärke optimal regulieren. Um „hartes“ Licht und Schlagschatten zu vermeiden, setzen wir zusätzlich gerne eine Softbox oder einen Diffusor ein. Diese Hilfsmittel verteilen das Licht gleichmässig und „weich“ auf Objekt und Umgebung.

Setup – wie kriege ich meine Garnele in die richtige Pose?

Nun ist das theoretische Wissen vorhanden und die Einstellungen gewählt. Das Einzige was noch fehlt sind die Hauptdarsteller. Doch wie kriegt man diese richtig in Szene gesetzt? Ein Futter-Tab nahe der Frontscheibe reingeworfen, lockt unsere Tiere in kurzer Zeit auf das „Set“. Damit lassen sich schöne Gruppenfotos machen. Soll aber ein Einzeltier abgelichtet werden, klappt der Futter-Trick nicht. Vielmehr geht es dann darum, ein bestimmtes Tier auf ein Objekt, z.B. eine Mooskugel, ein Wurzelstück oder einen Steinen zu dirigieren. Ob mit oder ohne Lockmittel (z.B. Spirulinapulver) gearbeitet wird, ist dem Fotografen überlassen. In jedem Fall braucht es Geduld und auch etwas Glück, um das richtige Tier in der perfekten Pose erwischen zu können. Und vergesst nicht, bei den schönsten Bildern im Internet handelt es sich immer um die allerbesten aus einer Vielzahl weniger guter oder gar missglückter Fotos. 

Fotonachbearbeitung – nötig oder nicht?

Noch ein kurzes Wort zur digitalen Fotonachbearbeitung. Die Möglichkeiten sind heute fast unbegrenzt und man findet in diversen Shops Bilder von Garnelen, welche derart unnatürlich gefärbt sind, dass auch das ungeübte Auge den digitalen Eingriff erkennt. Unser Grundsatz lautet: weniger ist mehr und ein schlecht belichtetes und arrangiertes Bild kann auch mit der besten Bildbearbeitung zu keinem Meisterwerk werden. Wir verwenden die digitale Unterstützung hauptsächlich um den Bildausschnitt anzupassen, den Weissabgleich (Farbtemperatur) bei Bedarf zu korrigieren und starke Kontraste im Bild auszugleichen (Lichter reduzieren und Tiefen anheben). Falls nötig kann auch ein leichtes Nachschärfen sinnvoll sein. Um das Maximum aus der Kamera herauszuholen, empfiehlt sich in RAW aufzunehmen. Wir verwenden dazu Adobe Lightroom. Darin lassen sich die wichtigsten Parameter sehr einfach anpassen. 

Viel Erfolg und keep on shooting!

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